Rent-a-mel


Krawumm. 01.09.2014 um Mitternacht schlug es zu, das Transferfenster. Rien ne va plus. Klappe zu, Markt tot. In England ist der Deadline Day wie ein eigener Spieltag. Mit Drama, Baby, Drama. Wenn sich der Mondschein auf die teuren Sitzplatzarenen der besten Liga der Welt senkt, wird nochmal ein Scheit auf die Geldverbrennungsmaschine gelegt, die wir Premier League nennen. Deadline Day, Falcao und die Miete.


600 Golf zum Listenpreis. Laufen zusammen ungefähr 9000 Jahre. Aber wer will schon im Jahr 11014 nach Christus mit Verbrennungsmotoren durch die noch zu schaffende Marskolonie fahren? Mit 15 Mio. € kann man Sinnvolleres anfangen. Zum Beispiel anderthalb Xabi Alonsos verpflichten. Fünf Milan-Badelj-Jahresgehälter zahlen. Einen Warpantrieb für Lewis Holtby kaufen. Oder Radamel Falcao ausleihen. Der läuft zwar pro Verein nur ein Jahr, kommt aber aus Kolumbien und hat die Haare schön. Wer jetzt nach dem Sinn fragt, dem rufe ich zu: Hans-Werner!

Den Preis kann man leicht erklären. Falcao hat dieselbe Nationalität wie 80-Mio-Chamäs Rodriges (mein Neffe lernt nach dem Schreiben-wie-Hören-Prinzip in der Grundschule, geil ne!), die WM verpasst und weniger Kreuzbandrisse als Holger Badstuber. Außerdem hat sich Monacos Eigentümer mit Immobilienspekulationen auf der Krim überhoben und muss sparen. Friedensdividende in reverse. Außerdem: Wenn Falcao auf dem Markt ist, dann kauft er keine Tulpen, erst recht nicht, wenn man gerade der kleinen Erbse (gibt es eigentlich auch große?) die Krone des real existierenden Transferirrsinns aufgesetzt hat. Sinn? Hans-Werner!

Wer Welbeck verkauft und Chicharito verleiht, der muss nachladen. Fünf Wettbewerbe spielen sich nicht von allein. Schließlich trifft ManUtd in der CL-Todesgruppe…ach so, Moment. Aber im Ligapokal...ach, Shyss.

Nochmal von vorn: Wer Welbeck verkauft und Chicharito verleiht, der...spielt ohne Abwehr. Der Tulpengeneral wird die Truppen wohl im 2-2-6 anordnen. Di Maria, Mata, van Persie, Rooney, Falcao und überall dazwischen wirbelt Kaga...NEEEIN! Dieser Schutzbekleidungsfabrikant (früher nannte man so jemanden Kondomhersteller) mit seinem "Shinji ist kein Thema" hat mich gekriegt. Dann geht die sechste Planstelle eben an den Namensvetter des Entlaubers. Wenn der den Deadline Day überlebt hat. Ich habe die Übersicht verloren.

Genau wie des englischen Rekordmeisters Rechtsabteilung. Hätte man sich mit den Emissären aus dem Fürstentum wie weiland Klose und der Wurstfabrikant (früher nannte man sowas Metzger) am Flughafen Hannover getroffen (immer eine Reise wert), hätte man auf die Anwendung deutschen Rechts pochen können. § 598 BGB sagt: 

"Durch den Leihvertrag wird der Verleiher einer Sache verpflichtet, dem Entleiher den Gebrauch der Sache unentgeltlich zu gestatten." 

UNENTGELTLICH! Nun ist Falcao keine Sache, aber Erdbeeren sind auch eigentlich Nüsse und überhaupt: Wo gehobelt wird, fallen Falcaos Strähnen. Aber Pep würde sagen: "15 Mio. oder nix!" Meine Wahl wäre klar. Aber was weiß ich schon. Wer soll auch mehr von Wirtschaft verstehen als ein Verein, der gerade null zu vier bei Milton Keynes verloren hat. K-e-y-n-e-s, verstehste? Außerdem heißt der rote Oberteufel Aloysius Paulus Maria. Solch ein Name und Bescheidenheit wären ein Paradoxon, weshalb der Mann, den alle - also alle außer seine Töchter, die müssen „Euer Durchlaucht“ sagen (Lauch, Zwiebel, Tulpenzwiebel, Holland, VERSTEHSTE?) - "Louis" nennen, ex cathedra verkündete: "Ich bin wie Gott! Ich werde nie krank und habe immer recht!" Man nennt ihn auch den Hans-Werner Sinn unter den Fußballlehrern. Wenn Gott sagt, dass Erdbeeren Obst und 15 Mio. Leihgebühr ein gutes Geschäft sind, dann...kauft Falcao Gladiolen und ich kaue eine kleine Erbse. Roh und unentgeltlich. Sinn? HANS-WERNER!

Für Falcao geht es vom zugigen Stade Lui dö (Schreiben wie hören, nicht vergessen) ins eisige Reich Louis‘ des Großen. Freunde nennen Radamel das RedBull Salzburg unter den Weltklassestürmern. Keiner vermeidet so konsequent CL-Spiele im Lebenslauf. Früher nannte man sowas HSV. Aber das war, bevor Kühne Augenhöhe mit Mateschitz‘ Aufbau-Ost-Spielzeug hatte. Ich schweife ab...

Dass er das Angebot annahm, kann man verstehen. Schließlich träumte der kleine Radamel schon seit zwei Tagen davon, einst für United aufzulaufen. Den "Hala Madrid! Ein Traum wird wahr!"-Tweet vom Wochenende muss dieser Jennifer-Lawrence-Nacktpic-Hacker verfasst haben.

*Interlude
Sind Schauspielerinnen pathologisch autoerotisch? Worin besteht eigentlich der (Hans-Werner) Sinn, vor dem Spiegel stehend Selfies zu machen, ohne vorher Klamotten anzuziehen? Ich dachte "Adam sucht Eva" wäre scripted reality. Professor Sinn, helfen Sie!
*Interlude Ende

Falcao hatte jedenfalls in einer Woche mehr Traumvereine als Hakan Calhanoglu in zwei Jahren, ist aber durch weniger Medizinchecks gefallen als Demba Ba. Ersteres ist eine stattliche, letzteres eine kaum erwähnenswerte Leistung. Die Meldung von der fehlenden Spieltauglichkeit muss Rooney gestreut haben, dessen Frau ist - glaube ich - Ärztin, oder zumindest macht sie sich öfter frei als Kate Upton. Ich verstehe, dass der Latin Lover unter Englands Stürmern neidisch wird. Schließlich sind Waynes Haare das einzige, das noch künstlicher ist, als Radamels Vereinsliebe. Am Deadline Day können schon mal die Gäule mit einem durchgehen. Weshalb ich um so stolzer bin, dass ich zwar jeden Tulpenwitz gemacht, aber alle Wohnwagenkalauer vermieden haben.

Bitte, nein, bleibt sitzen!

Sie werden sich schon noch finden. Roonamel wird die schönste Liebesgeschichte seit Aloysius und Truus. Ihr werdet sehen. Ich freue mich jetzt schon auf den 31. Januar. Wenn der 1. FC Köln Mario Balotelli ausleihen wird. Bei den Tarifen heutzutage müsste man zwar vorher Anthony Ujah nach Sankt Petersburg verkaufen, aber das russische Transferfenster schlägt ja später zu. Das wird rada-doll. Deadline Day 14/15, die Zweite. Ein eigener Spieltag. Mitten in der nicht vorhandenen Winterpause. Britannien, Du hast es besser!

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