Redakteurchen



Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht? Nach diesem Motto hat die selbsternannte "Reporter-Legende" Raimund Hinko diesen Totalverriss des "Chefchen" abgesondert. Wenn jemand Bayern-Fan ist, bitte nichts essen vorm Klicken. Für eingefleischte Bayern-Hasser: macht Euch nen Piccolo auf. Der Text strotzt inhaltlich vor Fehlern, die alle im einzelnen aufzuarbeiten Stoff für einen Mehrteiler wäre. Warum macht er das? Will man das wissen? Und was hat Markus Lanz damit zu tun? Ungeordnete und polemische Gedanken zu einer tragischen Figur.



Auf der Motivsuche grub mancher gestern die Geschichte von Schweinsteiger und dem A-Loch aus. Eine persönliche Vendetta von Raimund, dem Gottvater des Zynismus? Das mag naheliegen, weil auch die letzten prominenten Springeropfer (Ballack, Teamchef Klinsmann) aus dem Kosmos des runden Leders als Boulevard-Agnostiker galten. Und doch: das ist zu einfach. Es steckt mehr dahinter. Es ist persönlich. Aber es geht nicht um Schweinsteiger. Es geht um Hinko. Feuer mit Feuer. 3…2…1...los.



Hinko gehört einer Generation von "Journalisten" an, die die Bundesliga noch als natürlichen Wurmfortsatz des Dorfsportplatzes kennen. Die ernsthaft meinten, man sei ein "Typ" (einer dieser Bullshitbingobegriffe), wenn man als Profisportler drei Weizenbier täglich einschieben und trotzdem gut genug trainieren konnte, um samstags den Kater vom Vorabend mit Gegenpressing gegen den eigenen Schädel aus den schwarzen Schuhen zu laufen. In diesem Hohlfrittenkosmos, der schmerzhaft sinnentleerte Anschlussverwendung bei dem gescheiterten "Wetten, dass..."-Moderator gefunden hat, haben Metrosexuelle wie Schweinsteiger keinen Platz. Natürlich ist man gegen Homophobie und findet es ganz furchtbar großartig, wenn Hitzlsperger sich outet. Das zu sagen hat neben dem Applaus, den man für die ansonsten abgesonderte Phrasengalore nicht mehr bekommt, auch den Vorteil, dass man ohne Inhaltsbruch sofort Anekdoten von erotischen Ausschweifungen Altinternationaler zum Besten geben kann.



Damals in Mexiko, weißt Du noch Rolf…Töpperwien tut wie ihm geheißen.

Den Jörg, den nannten sie nur Teflon. *Schenkelklopf*

Bevor Lanz - nicht ohne einmal "wunderbar" auszurufen - nachfragt, ob der Jörg wohl der Herr Wontorra sei, legt Töpperwien nach, der habe nichts anbrennen lassen. Hach waren das Zeiten, als wir Spielberichte telegraphierten. Und überhaupt, er hat "sexuell" gesagt, hihi.



Das ist nicht nur aus der Zeit gefallen. Das wäre bei alten Männern, deren Hang zu Anzüglichem meist der nachlassenden eigenen Virilität geschuldet ist, zu verkraften. Das Unerträgliche ist der nachgerade moralische Anspruch, der sich hinter der Jovialität Cordoba'scher Prägung verbirgt. Wie Menschen, die meinen, es sei ethisch werthaltig, ohne fließendes Wasser zu leben, verweist man auf die gute alte Zeit, in der Springer-Journalisten noch keine Bildverwerter waren, sondern distanzierte Beobachter, die ihrem Auftrag zur kritischen Begleitung nachgingen. Das ist - Hoeneß voice - eine bigotte "Scheiße". Kommt aber super an. Dass Hinko und Konsorten in erster Linie sauer sind, dass sie in Schweinis, Philipps und Götzis IPhone nicht in der Kurzwahlliste sind wie weiland bei Rudi Nationale oder Loddar M im Mobiltelefon, verschweigen sie wohlweislich.



Die nur vorgespiegelte Distanz der guten alten Zeit hindert Hinko nicht, anlässlich der Hoeneß-Durchsuchung in der Sportbild Geschichten von Wurstsemmel-geschwängerten Privataudienzen bei Uli am Tegernsee zu schreiben. Aber das konnte man trennen. Man soff abends und produzierte am nächsten Tag eine diffamierende Schlagzeile. Dann rief der Uli schon mal wutschnaubend an. Aber ein Mann ist ein Mann ist ein Mann. Dann trank man zusammen einen und der Kreis schließt sich. Nächste Runde mit einem Spieler.



Der Basler, haha, damals in der Pizzeria. Da hab ich einen Tipp bekommen. Leserreporter gab es ja noch nicht, "verstehen Sie!?". Aber der Wirt, der hatte eine Schwägerin, die war die Cousine von der Empfangsdame (gut gebaut übrigens, hihi) - Einwurf Töpperwien: Vorbau so zu sagen, hahaha - von dem Müller-Wohlfahrt. Das waren Typen, die haben sich nicht versteckt, wenn das Geld auf dem Tisch lag. Die gingen voran, da wurde mal ein Schienbein geknickt. Ich könnte da Geschichten...



Man googlet kurz auf dem second screen, wie viele CL-Titel dieser Mario Bass...- nein "Basler" schlägt Google vor - eigentlich gewonnen hat. sollten ja sechs, sieben sein, ah ne. Aber was red ich. Fakten stören ja nur. Weiter mit einer gepflegten Litanei über inhaltsbefreite Interviews der Generation Lahm. Schlafenszeit.



Die Larmoyanz, mit der dann über PR-Berater geklagt und über die glattgebügelten Interviews Lahm'scher Prägung gejammert wird, ist ein gut zu vermarktendes Abfallprodukt des Untergangs jener Bier-, Schweiß- und Tränenwelt, in der Rekordnationalspieler nicht verstanden, dass Hinko und Konsorten keine Freunde, sondern nur nützliche Idioten kennen. Es sind die Vor-Web 2.0-Zeiten, in denen die BILD Meinungskartelle schmiedete und Trainer aus ihren und in ihre Ämter sang, wie es der Tageslaune des stellvertretenden Sportchefs gerade entsprach. Hinkos Welt, die er beherrschte, die er kannte.



Ich habe Mitgefühl mit Hinko, dem Franz-Josef Wagner unter den Fußballbegleitern. Er ist einer derer, die eine Welt nicht mehr verstehen, die mal ihre war. Während sie sich noch mit an Schizophrenie grenzender Heuchelei echauffieren, dass der "Loddar" trotz enormen Sachverstands immer noch nicht Trainer beim einst boulevardhörigen Glubb ist, erklärt Martin Bader Hinko und seinen Vorkriegsbüchsenspannern von einem Pressepodium vor einer vorgefertigten Sponsorenaufstellerwand in feinstem Unternehmensberaterduktus, der 1. FCN sei "gut aufgestellt". Während Fossile vom Schlage Hinkos nur ungläubig "alkoholfrei" auf dem Ettikett des gesponserten Bier im Presseraum lesen. "Hinkos Zeit ist vorbei", präsentiert von Erdinger 0,0.



Was dann noch bleibt, ist, sich in Paralleluniversen zu flüchten. Solche, in denen Schweinsteiger in wichtigen Spielen ob seiner Langsamkeit versagt und ein in der Bayern-Kabine verhasster Egomane mit zu viel Drang nach Wein, Weib und Kostümpartys ist. Möge sich der Mensch gewordene Schlafzimmerblick da einrichten und weiter den Opa aus der Muppetshow geben, der gar nicht mehr merkt, dass die Leute nicht mit ihm, sondern über ihn lachen. Da kann er sitzen und sich von Waldi anhören, dass der FJS "a Hirsch" war, der Seehofer aber nur ein Rehkitz sei. Da flätzt er sich dann direkt neben dem mittlerweile mit Eigenleben ausgestatteten Minipli von Bild-Benno-irgendwas und dem Geist von Max Pietsch. Und zusammen lauschen sie einer knarzenden Langspielplatte in Endlosschleife von Udo Lattek, wie er sagt: "Früher haben wir uns einfach mal eine Stunde was auf die Fresse gegeben, da war die Sache erledigt." Wenn ich so drüber nachdenke, vielleicht war das doch nicht schlecht, damals...

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