Warum effcee?

Warum sympathisiert man mit dem 1. FC Köln? Also außer, weil gerade nichts zur Hand ist. (Immer noch aktuelle) Gedanken aus dem Jahre des Herrn 2008.

Nach zwei Jahren Hölle kehrt der 1. FC Köln zurück in das Paradies, aus dem er selbstverschuldet ausgerechnet im Märchensommer 2006 vertrieben worden war. Der Aufstieg des Clubs zieht Kreise und evoziert eine metaphorische Sprache, die nicht alle Tage vorkommt, auch dann nicht, wenn einer der vielen „Traditionsvereine“ in die erste Liga oder zumindest den Profifußball zurückkehrt. Man sagt der 1. FC sei „Kult“. Das ist völlig untertrieben, wenn man bedenkt, welche Geschmacklosigkeiten aus der Popkultur des vorletzten Jahrzehnts mittlerweile mit diesem Attribut versehen werden.
Nein dieser Verein hat etwas hiobsches, das manchen Verein auszeichnet, bei dem Fanzuspruch und Leidenschaft der Mannschaft, gefühlte und echte Stärke, kurz Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen. Er scheint immer dann besonders viele Menschen anzuziehen, wenn er den eigenen Ansprüchen mal wieder meilenweit hinterherläuft. Vor rund 20 Jahren spielte man regelmäßig um die ersten sechs Plätze – wohlgemerkt der ersten Bundesliga – und das vor in der Regel nicht mal 20.000 Zuschauern. In den letzten beiden Zweitligajahren war der Schnitt doppelt so hoch.

Die Leidensfähigkeit ist ein Charakteristikum des FC-Fans an sich. Er sucht sich sein Lieblingsobjekt nicht im Erfolg aus und steht auch im Misserfolg dazu. Er riecht schon beim Eintritt die Pleite und gerade das zieht ihn wie magisch an. Wie ein sich selbst ernährender Verhungernder magnetisiert ihn der Club im Unheil und doch wünscht er sich nichts mehr als Erfolg, von dem er selbst gewahrt, dass er mit ihm – wie der Club auch – nicht umzugehen wüsste. Als seien Reisen nach Aue, Jena, Paderborn oder Koblenz eine Katharsis, an deren Ende die Allianz Arena lockt, macht er sich zu tausenden auf die beschwerlichen Reisen in die Niederungen der deutschen Fußballprovinz. Doch wenn er dort angekommen ist, zeigt er seine karnevalistisch gebrochene Arroganz (Kniet nieder, ihr Bauern! Köln ist zu Gast). Dieser Widerspruch erklärt einen Teil der Leidenschaft der Anhänger. Denn mit dem Club teilen sie das auf ihr Leben in vielen Fällen übertragbare Gefühl, mehr sein zu können als man ist. Dieses Gefühl käme abhanden, sammelte man Titel wie bei den Yuppies in München oder erst recht, setzte man sich ehrgeizige Ziele wie in Hoffenheim.

In der Trauerarbeit und nur hier, kommt der ganze (sarkastische) Humor des FC-Fans zum Ausdruck, ja Ausbruch. „Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch UEFA-Cup“. Es fehlt die ungezügelte Selbstironie der Mainzer, sich selbst als Karnevalsverein zu bezeichnen. Denn im Grunde will man mehr als Mainz und mehr als München. Man will Erfolg in gefühliger Gestalt. Man will Underdog mit Meisterschale sein. Die Quadratur des Erfolgskreises. In vollem Bewusstsein ihrer Unerreichbarkeit. Es fehlen einem die Worte. Der FC ist, was seine Anhänger ihn nennen: unfassbar und doch zum Greifen nah, „a jeföhl“ eben.